Der Pfingstsonntag hat seit Jahren bei mir einen festen Platz im Terminkalender. Nicht wegen des damit in Zusammenhang stehenden, teilweise noch anzutreffenden religiösen Aberglaubens. Auch nicht wegen Tucholskys genialem Satz: “Pfingsten – sind die Geschenke am Geringsten.” Pfingstsonntag findet alljährlich – nun schon zum 16. Mal – in Berlin- Kreuzberg der Karneval der Kulturen statt. Genau genommen wird das ganze Wochenende von Freitag bis Montag gefeiert, aber der Festumzug am Pfingstsonntag ist der unbestrittene Höhepunkt.
Aus der Not heraus – ich hatte zunächst erfolglos versucht, einen zum Fotografieren geeigneten Platz in der Nähe der Tribünen am Südstern zu finden – fuhr ich kurzerhand in die Parallelstraße, die Urbanstraße, in den – ich will es mal so nennen – Bereitstellungsraum. Hier formieren sich die Teilnehmer des Zuges, hier stehen Wagen und anderes Zubehör und hier geht schon mal die Post ab. Hier wird gesungen und getanzt, geschminkt und gefedert, drapiert, sich mit verschiedenen Drinks in Form gebracht und auf den großen Auftritt gewartet. Unüberhörbar dröhnen am Ende des Zuges schon mal die diversen Trucks der Berliner Club-Szene. Bis unters Dach mit mit schwerem Lautsprecher-Gerät beladen. Die Luft vibriert, Techno, Reggae und der typisches Geruch eines Joints mischen sich. Es ist Karneval! Und mittendrin die Nur-Zuschauer, integriert in die Tänze, die Gesänge und den Frohsinn.
Ein Glück, das der Platz an der Tribüne schon vergeben war.