Der Pfingstsonntag hat seit Jahren bei mir einen festen Platz im Terminkalender. Nicht wegen des damit in Zusammenhang stehenden, teilweise noch anzutreffenden religiösen Aberglaubens. Auch nicht wegen Tucholskys genialem Satz: “Pfingsten – sind die Geschenke am Geringsten.” Pfingstsonntag findet alljährlich – nun schon zum 16. Mal – in Berlin- Kreuzberg der Karneval der Kulturen statt. Genau genommen wird das ganze Wochenende von Freitag bis Montag gefeiert, aber der Festumzug am Pfingstsonntag ist der unbestrittene Höhepunkt.
Aus der Not heraus – ich hatte zunächst erfolglos versucht, einen zum Fotografieren geeigneten Platz in der Nähe der Tribünen am Südstern zu finden – fuhr ich kurzerhand in die Parallelstraße, die Urbanstraße, in den – ich will es mal so nennen – Bereitstellungsraum. Hier formieren sich die Teilnehmer des Zuges, hier stehen Wagen und anderes Zubehör und hier geht schon mal die Post ab. Hier wird gesungen und getanzt, geschminkt und gefedert, drapiert, sich mit verschiedenen Drinks in Form gebracht und auf den großen Auftritt gewartet. Unüberhörbar dröhnen am Ende des Zuges schon mal die diversen Trucks der Berliner Club-Szene. Bis unters Dach mit mit schwerem Lautsprecher-Gerät beladen. Die Luft vibriert, Techno, Reggae und der typisches Geruch eines Joints mischen sich. Es ist Karneval! Und mittendrin die Nur-Zuschauer, integriert in die Tänze, die Gesänge und den Frohsinn.
Ein Glück, das der Platz an der Tribüne schon vergeben war.
Paris … zum zweiten Mal war ein Besuch der französischen Metropole an der Seine angesagt. Ich liebe Städte – richtig große Städte. Vielleicht liegt es daran, dass ich die ersten Jahre meines Lebens in der Abgeschiedenheit eines doch eher kleinen Ortes aufgewachsen bin, der immer wieder so gerade um den Status einer Großstadt herumlavierte. So wie andere die Ruhe und Abgeschiedenheit auf dem Lande suchen, brauche ich an den meisten Tagen des Jahres den Lärm und das Pulsieren einer richtigen Stadt. Beim ersten Besuch der Seine-Metropole war ich begeistert, nach dem zweiten Besuch bin ich es immer noch. Es macht Spaß – und das trotz einiger momentaner gesundheitlicher Einschränkungen am Kniegelenk -, sich die Stadt zu erlaufen und ihren besonderen Duft zu atmen. Anders als beim ersten Besuch versuchte ich nun – als Wiederholungstäter – natürlich nicht nur Postkartenmotive einzufangen, sondern auch schon mal abseits vom “Mainstream” Motive und Situationen in mich aufzunehmen und abzulichten. Um jedoch das Wesen eines Ortes und seiner Menschen zu erfassen und zu versuchen, dieses dem Betrachter eines Foto “rüber zubringen”, bedarf es mit Sicherheit einer noch viel tieferen Vertrautheit. Was liegt also näher, als ein weiteres Aufsuchen, ein neuerlicher Besuch. Im Falle von Paris ist er bereits in der Planung.